Auf der Suche nach dem traditionellen Japan

Hallo Alle!

Es ist echt nicht einfach zwischendurch Zeit für einen Blogeintrag zu finden. Im Moment düsen (oder wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung vielleicht eher schleichen) wir von einem Tempel zum nächsten, zwischendurch eine Burg, dann mal ein Onsen zur Entspannung und dann direkt weiter zum nächsten UNESCO Weltkulturerbe… puh!

Heute Morgen regent es, was natürlich unsere heutigen Tempelpläne durchkreuzt. Dafür haben wir aber mal Zeit euch ein bisschen zu berichten und Wäsche zu waschen 🙂

Also, nach Nikkō wollten wir weiter durch die Berge an die Nordküste fahren. Leider wussten wir nicht, dass hier einige Bergstraßen die meiste Zeit im Jahr geschlossen sind. Nach einer Stunde der schärfsten Serpentinen und krassesten Steigungen standen wir also plötzlich vor verschlossenen Schranken mit jeden Menge japanischer Zeichen, die wir natürlich nicht lesen konnten. Also den ganzen Berg wieder runter. Bongo, so heißt unser Camper, macht nicht gerade den besten Ralleywagen und hinten flog alles hin und her aber es hat trotzdem Spaß gemacht da runter zu heizen.

Unser nächster Stop war das kleine Dorf Nozawa Onsen, denn hier soll es tolle Onsen geben.
Onsen sind sowas wie Thermalbäder, häufig direkt an heißen, schwefelig riechenden Quellen und total verbreitet. Sie sind ein fester Teil der japanischen Kultur und vor garnicht allzu langer Zeit waren sie die einzige Möglichkeit sich mal ordentlich zu Waschen 🙂 Außerdem sind die meisten verflixt heiß!!
Normalerweise zahlt man einen Eintritt zwischen 2 und 6 Euro und hat dafür eine heiße Dusche und ein super entspannendes Bad. Also perfekt für uns Camper!

Die Sache mit den Onsen hat aber leider einen dicken Haken, denn Tattoos sind ein absolutes Tabu! Und da man hier natürlich nackt badet kann ich meine Tattoos nicht mal verstecken. Traditionell haben in Japan nur Mitglieder der Jakuza (japanische Mafia) und sonst welche Verbrecher und Ausgestoßene Tattoos. Und solche Schurken dürfen natürlich nicht in öffentliche Bäder!
Und leider wird da auch keine Ausnahme für Touristen gemacht, denn wenn hier eine Regel gilt, dann für alle Menschen egal woher sie kommen (was übrigens eigentlich echt cool ist, nur für Sandra in diesem Fall blöd).

Naja, wie auch immer. Mir wurde geraten „einfach“ mein Tattoo mit einem Handtuch zu verstecken und mich immer so hinzusetzen, dass mich kein Mensch von vorne sieht. Gesagt, getan!
Im klitzekleinen Onsen war nur eine andere alte Japanerin und ich habe mein bestes gegeben mich immer von ihr abzuwenden. Das ist wirklich nicht einfach, denn überall gibt es Spiegel und man muss sich richtig ordentlich mit tonnenweise Seife Waschen, bevor man ins Becken geht. Das Ganze war also für mich echt stressig, denn ich wollte ja nicht riskieren, dass die süße Oma einen Herzinfarkt bekommt wenn sie meine Tattoos sieht!
Wir haben versucht uns ein bisschen zu unterhalten, was dank meiner Japanisch und ihrer Englisch Kenntnisse nicht wirklich funktioniert hat. Und ich kam mir so unhöflich vor die ganze Zeit mit dem Rücken zu ihr zu sitzen. Die Sache war nicht gerade entspannend…
Als ich mich schon wieder angezogen habe war sie dann auch fertig, ging raus und dabei habe ich verstanden, dass sie blind ist!!! Tja, das hätte viel entspannter laufen können 🙂

Ja und sonst haben wir uns einen Haufen alter Tempel, Schreine und Burgen angesehen. Um ganz ehrlich zu sein haut uns Japan nicht ansatzweise so vom Hocker, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Wir haben nie jemanden getroffen, der*die nicht voll begeistert von Japan gewesen wäre. Alles sei so verrückt, die Menschen so freundlich, die Tempel so wunderschön und die Natur erst!
Mh, also:
es gibt schon viele verrückte Sachen, die wir aber meistens ehr unsympathisch finden, wie z.B. die vielen krass sexualisierten Mangafiguren die man einfach überall sieht, oder das sich alles um Konsum dreht und 5 Mal in Plastik eingepackt ist.
die Menschen sind unglaublich höflich und man kann nicht sagen sie seinen unfreundlich. Wir treffen aber nur ganz selten mal jemanden der glücklich zu sein scheint. Irgendwie schade…
die Tempel und Burgen sind schon hübsch. Aber da ist es eben auch nicht mehr so leicht uns zu beeindrucken. Zudem sind die Dinger meistens sooo überfüllt, dass wir uns ehr wie auf einer Kirmes fühlen.
ja, und Natur… ist bestimmt hübsch wenn man nicht gerade zum Frühlingsanfang hier ist. Aber mit Neuseeland kann Japan natürlich nicht mithalten.
Und dann scheint es sooo viele Verhaltensregeln zu geben und Menschen switchen von einem Gefühlszustand in den nächsten als wären sie Impro-Theater Stars. Da scheint nicht viel Platz für persönliche Entfaltung zu sein.

Für Aron ist es allerdings schon etwas spannender, denn er hat selbst viele Mangas gelesen und erkennt daher so einiges wieder.
Aber wenn uns schon das berühmte Japan nicht mehr von den Socken hauen kann scheint es echt an der Zeit zu sein, mal wieder für eine Weile nach Hause zu kommen, oder?

Trotz alledem hat Aron viele Fotos und Videos gemacht, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Ps. Wir sind zum Glück weit weg vom schlimmen Erdbeben, also keine Sorgen machen.

5 Gedanken zu „Auf der Suche nach dem traditionellen Japan

  • April 18, 2016 um 6:46 pm
    Permalink

    Ihr habt alles wieder so toll geschrieben.Freue mich,dass ihr auch Camping liebt.Wir sind mit dem Camper im Moment in Italien und habe nur selten Internet. Weiterhin viel Spaß xxx

    Antworten
  • April 17, 2016 um 6:42 pm
    Permalink

    Japan sooo anders, aber keinenfalls unspektakulär.. Eine Templedichte die schwindelig macht u viel altertümliches Bling Bling allerdings dann doch chancenlos gegen das grandiose „Land of the long white cloud“

    Ein gnadenlos schönes, vor Freiheit strotzendes Neuseeland lässt alles nachfolgende erblassen..

    Armes Japan hatte nie ne echte Chance 🙁

    Antworten
  • April 17, 2016 um 6:36 pm
    Permalink

    Your commentary is always so entertaining and thoughtful. It is almost like being there with you.
    Thank you for sharing your marvellous adventures. Regards, Jeannie and Robin

    Antworten
  • April 17, 2016 um 1:33 pm
    Permalink

    Vielleicht sind Mangas ihre einzige Chance für Fröhlichkeit. Die Tradition schränkt die Menschen in Japan extrem ein. Da gibt es Dinge die ich als Europäin gar nicht glauben kann. Aber die Bauerhäuser sind toll mit ihren Rieddächern.

    Antworten

Kommentar verfassen